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  • Die Aufgabe eines Versicherungsmaklers ist u.a. das Vermitteln von Versicherungsverträgen zwischen Versicherungsgesellschaften und Versicherungsnehmern oder auch das Mitwirken bei deren Verwaltung und Erfüllung. Ein Versicherungsmakler ist nach § 1 Abs. 1 HGB grundsätzlich Kaufmann, wenn er ein Handelsgewerbe betreibt und den Buchführungspflichten nach § 238 HGB unterliegt. Versicherungsmakler sind nicht vertraglich an eine Versicherungsgesellschaft gebunden, sondern stehen aufgrund der umfassenden Interessenwahrnehmungspflicht gem. Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes (vgl. BGH, Urteil vom 22.05.1985, Az.: IVa ZR 190/83) als treuhänderähnliche Sachwalter auf der Seite der von ihm betreuten Kunden. Der Makler erhält vom Kunden einen Beratungs- und Vermittlungsauftrag, ähnlich einem Rechtsanwalt.
  • Die Rechte und Pflichten des Versicherungsmaklers gegenüber dem ihn beauftragenden Versicherungsnehmer werden im Maklervertrag festgehalten und finden sich u.a. im Gesetz über den Versicherungsvertrag (Versicherungsvertragsgesetz – VVG). Der Umfang der Pflichten betrifft regelmäßig nicht nur die Ermittlung eines ausreichenden Versicherungsschutzes und die Vermittlung entsprechender, für den Kunden günstiger Verträge, sondern auch die Verwaltung, Betreuung und Aktualisierung dieser Versicherungsverhältnisse.
  • Für eine schuldhafte Verletzung seiner Pflichten haftet der Versicherungsmakler gegenüber dem Versicherungsnehmer und ist gesetzlich als Voraussetzung zur Berufsausübung verpflichtet, den Abschluss einer Berufshaftpflichtversicherung (Vermögensschadenhaftpflichtversicherung) mit ausreichender Deckungssumme nachzuweisen. Ein etwaiges Verschulden seiner Mitarbeiter ist dem Versicherungsmakler ebenso zuzurechnen.

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Auf den Versicherungsmakler finden die §§ 93 ff. HGB Anwendung. Eine Eintragung im Handelsregister ist nur von deklaratorischer Bedeutung. Notwendig ist allerdings eine Eintragung in das Vermittlerregister, welches bei den zuständigen Industrie- und Handelskammern (IHK) geführt wird. Nur eingetragene Vermittler dürfen Versicherungen vermitteln und Versicherungsunternehmen dürfen nur die Dienste eingetragener Vermittler in Anspruch nehmen. Des Weiteren bedarf der Versicherungsmakler gem. § 34 d Abs. 1 GewO einer gewerberechtlichen Erlaubnis.

Als Berater und Vertrauter des Versicherungsnehmers hat der Versicherungsmakler den gewünschten, individuellen und passenden Versicherungsschutz – sofern notwendig auch kurzfristig – zu verschaffen. Als Interessenvertreter des Kunden handelt dieser im Namen des Versicherungsnehmers bei Abschluss des Vertrages. Sein besonderes Merkmal: Aufgrund der erfolgten Risikoberatung und –analyse, welche unabhängig vom Zustandekommen eines Versicherungsvertrages durchzuführen ist, hat der Versicherungsmakler etwaige Deckungslücken zu ermitteln und die für dieses Risiko in Frage kommenden Märkte durch einen Angebotsvergleich zu analysieren. Absprachen mit Versicherungsunternehmen über eine ständige Vermittlertätigkeit in deren Auftrag und insbesondere eine Weisungsgebundenheit sind mit der Rechtsstellung und dem Berufsbild des Versicherungsmaklers daher nicht vereinbar. Vielmehr kennzeichnet den Versicherungsmakler die Unabhängigkeit von Versicherungsunternehmen.

Das unterscheidet ihn vom Versicherungsvertreter, der als Gewerbetreibender zwar selbstständig ist, aber durch eine enge vertragliche Bindung an ein oder mehrere Versicherungsunternehmen deren Interessen wahrnehmen muss. Gleiches gilt für den Angestellten im Versicherungsaußendienst, der aufgrund eines Arbeitsvertrages weisungsgebunden handelt. Der Versicherungsvertreter wie auch der Angestellte im Versicherungsaußendienst stehen als so genannte Vertreter und Erfüllungsgehilfen im Lager des konkreten Versicherungsunternehmens, sodass sich deren Angebot auf die Produktpalette „ihres“ Versicherungsunternehmens beschränkt. Hierdurch werden auch keine persönlichen Pflichten des Versicherungsvertreters gegenüber dem Versicherungsnehmer begründet, welche Schadensersatzansprüche begründen könnten.

In der Regel wird der Versicherungsmakler für einen längeren Zeitraum damit beauftragt, die Interessen des Kunden in Versicherungsangelegenheiten zu vertreten. Auch aufgrund der Laufzeit von Versicherungsverträgen, die der Makler üblicherweise verwaltet, und seiner langfristig angelegten Beratungstätigkeit bis hin zur Betreuung im Schadenfall hat sich in der Praxis eine handelsrechtliche Besonderheit herausgebildet: Der Makler ist nicht als Mittler zwischen den Parteien, sondern vorrangig für seine Kunden aktiv. Die Rechtsprechung spricht sogar vom „treuhänderähnlichen Sachverwalter des Versicherungsnehmers“ (vgl. BGH, Ur­teil vom 22.​05.​1985, Az.: IVa ZR 190/83).

Seit dem Gesetz zur Neuordnung des Versicherungsvermittlerrechts (Versicherungsvermittlergesetz) vom 23. März 2007 sind Grundlagen und Pflichten eines Versicherungsmaklers auch im VVG geregelt. Grundlage der Geschäftsbeziehung zwischen dem Versicherungsmakler und dem Kunden ist der Maklervertrag, in dem die Beschaffung des gewünschten Versicherungsschutzes definiert ist. Da der Makler – wie oben beschrieben – in einem Vertrauensverhältnis zum Kunden steht, räumt ihm letzterer regelmäßig bestimmte Vertretungsbefugnisse ein, die sich z. B. auf den Abschluss und die Kündigung von Versicherungsverträgen oder die Verhandlungsführung bei der Schadenregulierung beziehen können. Im Gegenzug ist der beauftragte Versicherungsmakler verpflichtet, stets bedarfsgerechten Versicherungsschutz zu vermitteln. In der Praxis entwickelt er sogar häufig maßgeschneiderte Deckungskonzepte, um diese mit geeigneten Partnern zu realisieren.

Im Verhältnis zum Versicherer muss der Makler auch dessen berechtigte Interessen angemessen beachten. Dazu gehören beispielsweise die vollständige Beschreibung des zu versichernden Risikos und die wahrheitsgemäße Darlegung aller Gefahrenumstände.


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